News
David gegen Goliath beim BMW TOP FOUR: Bayern und Bamberg im Duell von Dauer-Rotierern und Abo-Startern

Die besondere Brisanz: Ein Duell David gegen Goliath birgt immer auch ein großes Potential einer Überraschung. Der FC Bayern Basketball weiß das nur zu gut, in der vergangenen Saison scheiterte man im Halbfinale als Pokal-Titelverteidiger an Weißenfels. Die Bamberger schlüpften in der vergangenen Spielzeit derweil in die Rolle des David, auf dem Weg ins Pokal-Wochenende schalteten sie im Achtelfinale den späteren Vizemeister Ulm und im Viertelfinale Rekordpokalsieger Berlin aus. Inwieweit bleiben die Rollen des David gegen Goliath auch beim BMW TOP FOUR um den BBL Pokal 2026 bestehen? Stefan Koch hat hier in seiner aktuellen Kolumne analysiert, wo beide Teams ansetzen müssen, um ins Finale am Sonntag (Tip-Off: 16.30 Uhr) einzuziehen.
Die ewige Bilanz könnte man beim Duell zwischen Bayern und Franken auch in „die ewige Brisanz“ umschreiben. Von der Saison 2012/13 bis 2017/18, also in sechs Spielzeiten nacheinander, standen sich beide Teams sowohl fünfmal in den Playoffs als auch fünfmal im Pokal gegenüber. Die Bamberger gewannen in dieser Phase vier Playoff-Serien, die Bayern drei Pokal-Spiele. Danach gab es drei weitere Aufeinandertreffen im Pokal, stets setzten sich die Münchener durch, zuletzt im Halbfinale der Saison 2023/24 – der damalige 81:62-Sieg der Bayern war der nächste Schritt auf dem Weg zum Pokaltitel. Ein Pokal-Endspiel zwischen beiden Teams gab es bislang einmal, im Februar 2017 krönte sich Bamberg mit einem 74:71-Erfolg zum Pokalsieger. Ein ausführliche historische Einordnung gibt es hier in der Pokal-Historie der vier Clubs. Klingt alles nach einer Menge Spannung? Wenig verwunderlich führen die Bayern in der ewigen Bilanz seit 1970/71 mit 35-34 nur knapp – dank eines 96:81-Heimerfolgs im Ligabetrieb dieser Saison, bei dem die Münchener im ersten Viertel mit 32:13 dominierten.
Status quo: Wie der Tabellenführer noch dominieren kann? Nach ihrer ersten Heimniederlage in der Liga feierten die Bayern zwei Blowout-Siege: Auf einen 106:63-Erfolg in Heidelberg folgte ein 106:61-Sieg in Jena. Damit verzeichnet der Deutsche Meister ligaweit die zwei höchsten Saisonerfolge. Unter Svetislav Pesic – dessen Einfluss auch in der Teamanalyse aufgegriffen wird – sind die Bayern defensiv noch stärker, was sie auch im vierten Viertel gegen die SKYLINERS unter Beweis stellten: Nur zehn Punkte kassierten die Münchener dort und setzten sich so mit 85:76 durch. Die Bamberger mussten sich nach drei Siegen in Serie Berlin mit 92:98 geschlagen geben, wie schon bei der Hinspiel-Niederlage war die Gavel-Truppe aber auf Augenhöhe mit dem Tabellenzweiten und Pokal-Konkurrenten. Zuletzt entführten sie einen 88:86-Erfolg nach Verlängerung aus Rostock.

Der Weg ins Halbfinale: Die Bamberger wurden auf dem Weg ins BMW TOP FOUR von Cobe Williams geschultert: Beim 94:89-Erfolg in der ersten Runde in Hamburg erzielte der Point Guard 25 Punkte, zwölf davon in den letzten 2:15 Minuten; beim 105:78-Sieg im Achtelfinale beim Titelverteidiger Weißenfels ließ er 22 Zähler folgen; und beim 72:66-Erfolg im Viertelfinale gegen Heidelberg legte er zwar nur 13 Punkte auf, zehn davon aber in den letzten dreieinhalb Minuten. Die Bayern benötigten hingegen keine Heldentaten eines einzelnen Spielers, denn auf einen lockeren 99:64-Sieg im Achtelfinale gegen Braunschweig folgte ein überzeugender 96:80-Erfolg im Viertelfinale in Trier.
Duell im Fokus: Cobe kann Crunchtime. In Cobe Williams haben die Bamberger also einen Spieler in ihren Reihen, der nicht vor großen Momenten zurückschreckt – wichtig für ein „Do or Die“. Und auch seine Statistiken von durchschnittlich 14,9 Punkten bei einer Dreierquote von 37,7 Prozent, 4,2 Assists, 2,1 Rebounds und 1,3 Steals sind für einen Spieler in seinem zweiten Profijahr, der erstmals auf einem solchen Niveau spielt, beachtlich. In Zach Ensminger hat Williams einen klaren Backup, der mit 7,4 Punkten bei einer Dreierquote von 45,5 Prozent, 3,4 Assists bei nur 1,1 Ballverlusten und 3,1 Rebounds pro Partie einen sehr soliden Job macht. Mit einem Effektivitätswert von 11,3 rangiert der 24-Jährige unter den deutschen Einsern nur knapp hinter Berlins Jack Kayil (11,9 EFF) auf dem zweiten Platz. Bei den Bayern verhält sich die Situation anders: Justus Hollatz (mit elf Liga-Starts die meisten unter den Point Guards), Stefan Jovic (5,0 APG und ein Plus-Minus von +13,6 sind teaminterne Bestwerte) und Nenad Dimitrijevic rotieren aktuell auf der Eins, Xavier Rathan-Mayes halft dort schon aus; Kamar Baldwin ebenso, er ist aktuell aber noch verletzt. Und Spencer Dinwiddie hat den Club seit einiger Zeit schon wieder verlassen. Welcher Münchener Einser wird sich also vornehmlich mit Williams duellieren? Sucht man nach einem Crunchtime-Pendant von Williams, könnte man bei Andi Obst fündig werden. Der Welt- und Europameister hat das Potential, zum Pokalheld zu avancieren. Als Münchener Topscorer wird er hier wie Bambergs Ibi Watson portraitiert.

Zahlen, bitte: Es treffen Abo-Starter und Dauer-Rotierer aufeinander. Bambergs Headcoach Anton Gavel hat das Kunststück geschafft, in 24 Pflichtspielen immer die gleiche Startformation (Cobe Williams, Richard Balint, Ibi Watson, Demarcus Demonia und EJ Onu) zum Sprungball zu schicken – als einziges Team der Liga, was auch in der Teamanalyse herausgestellt wird. Das bedeutet natürlich auch: Nur fünf Spieler standen in dieser Saison in einer ersten Fünf. Anders die Bayern: Dort sind ganze 15 Spieler gestartet, kein Team hat mehr Starter verzeichnet, in 23 Pflichtspielen auf nationalem Parkett macht das 20 verschiedene Startformationen! Nur drei Münchener Formationen starteten in zwei BBL-Partien.
Alte Bekannte: Bambergs Headcoach Anton Gavel trifft in den Bayern auf das Team, für das er die letzten vier Jahre seiner Karriere gespielt hat. In seinen ersten beiden Saisons in München, 2014/15 und 2015/16, war übrigens Svetislav Pesic sein Trainer. Pesic ist mit seinen 76 Jahren der Grandseigneur des deutschen Basketballs, Gavel gewann in seinem ersten Jahr als Headcoach in der Beletage und mit gerade mal 38 Jahren die Meisterschaft mit Ulm. Das kann Pesic nachfühlen: Als 33-Jähriger holte er in seinem ersten Jahr als Cheftrainer, in der Saison 1982/83, mit dem Club Bosna sensationell die jugoslawische Meisterschaft. Damals war Gavel noch gar nicht geboren … Gavel gegen Pesic – ein besonderes Trainer-, da Generationenduell. Einen Titel gewannen Gavel und Pesic mit den Bayern übrigens nicht zusammen, dies gelang Gavel in München in seinem letzten Jahr, als er mit dem Double-Gewinn 2018 seine Spielerkarriere krönte. Mit Bamberg hatte Gavel dreimal nacheinander den Pokal gewonnen.
Auf der Gegenseite haben die Nationalspieler Andi Obst, Leon Kratzer sowie der aktuell verletzte Elias Harris eine Bamberger Vergangenheit, Obst und Moritz Krimmer kennen sich aus gemeinsamen Ulmer Zeiten (2019 bis 2021).

Im Blick des Bundestrainers: David gegen Goliath kann man auch bei den deutschen Nationalspielern ausmachen. Während sieben Münchener Akteure – Johannes Voigtmann (128 Länderspiele), Niels Giffey (118), Andi Obst (94), Justus Hollatz (60), Elias Harris (36), Leon Kratzer (31) und Oscar da Silva (30) – auf zusammen 497 Länderspiele kommen (mehr solcher Statistiken gibt es hier bei „By the numbers“), stehen bei den Bambergern gar keine Einsätze in der A-Nationalmannschaft in der Vita. Zurück in die Gegenwart: Dort stehen in da Silva, Hollatz und Kratzer drei Münchener Spieler im Aufgebot für die WM-Qualfikationsspiele gegen Kroatien.
Am Rande der Bande: Die Münchener müssen weiterhin auf die langzeitverletzten Kamar Baldwin, Elias Harris und Rokas Jokubaitis verzichten, macht acht einsatzfähige ausländische Rotationsspieler, von denen Svetislav Pesic zwei außen vor lassen muss. Wen trifft es?
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Die Bamberger stehen zum dritten Mal nacheinander in einem TOP FOUR, die Bayern nehmen sogar zum vierten Mal in Serie am Pokal-Wochenende teil. Vier Halbfinalteilnahmen in vier Jahren? Andi Obst und Johannes Voigtmann werden sich bei diesem Gedanken mit gold-glänzenden Augen zunicken – denn das Gleiche gelang den amtierenden Welt- und Europameistern mit der DBB-Auswahl, um deutschen Basketball wieder verdammt sexy zu machen.
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird am Samstag ab 15.30 Uhr live hier bei Dyn übertragen, wobei das gesamte BMW TOP FOUR von Dyn mit insgesamt 17 eingesetzten Kameras am Spielfeld und Backstage so hautnah wie noch nie zuvor im deutschen Basketball als unvergessliches Live-Erlebnis in einzigartiger Qualität zu den Fans nach Hause auf den Bildschirm transportiert wird. Kommentator der Partie ist Florian von Stackelberg, es moderiert Anett Sattler. Als Experte ist Patrick Femerling am Mikro. Zusätzlich gibt es alle drei Pokal-Partien in Übertragungen vom Bayerischen Rundfunk (erstes Halbfinale und Finale) und vom RBB (zweites Halbfinale) live und free hier im Livestream bei Sportschau.de.