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Albatrosse mit Kayil oder Donnervögel mit Clemons: Wer fliegt am Samstagabend ins Pokalfinale?

Die besondere Brisanz: Als vor drei Monaten in Berlin die Halbfinalpaarungen für das BMW TOP FOUR um den BBL Pokal 2026 ausgelost wurden, reagierten die in der Arena verbliebenen ALBA-Fans erleichtert darauf, dass ihrem Club nicht der übermächtige Meister und BBL-Tabellenführer München zugelost wurde. Gemessen an den bisherigen Resultaten in der easyCredit BBL sind die EWE Baskets für die Albatrosse aber auch kein Glückslos. Schließlich hat ALBA im bisherigen Saisonverlauf alle Punktspiele gegen die anderen Halbfinalisten München und Bamberg (gegen die Oberfranken sogar schon zweimal) gewonnen, das Hinspiel gegen die EWE Baskets ging hingegen am 4. Januar in Oldenburg 73:76 verloren! Umgekehrt sind die Berliner aus Oldenburger Sicht der einzige Pokal-Halbfinalist, den die EWE Baskets in dieser Saison schon einmal bezwingen konnten. Ihre Heimspiele gegen Bamberg und München haben die Donnervögel in der BBL-Hinrunde verloren.
Status quo Berlin: Nach der Niederlage in Oldenburg haben die Berliner in der easyCredit BBL die folgenden sechs Punktspiele gewonnen. Am Dienstag riss die Serie zwar gegen Hamburg, was aber nichts an dem souveränen zweiten Tabellenplatz (15-6 Siege) ändert. In der Champions League qualifizierte sich ALBA vorzeitig für die Playoffs, kassierte in der darüber entscheidenden „Schlacht" gegen Tofas Bursa aber mehr als blaue Flecken. Neben Martin Hermannsson (fällt für das Pokalwochenende definitiv aus) fehlten Trainer Pedro Calles am Dienstag gegen Hamburg auch die anderen angeschlagenen Spielmacher Jack Kayil und Bennet Hundt. Die medizinische Abteilung in Berlin hofft, wenigstens diese beiden bis zum Pokalwochenende wieder fit zu bekommen. Allerdings meldete sich unter der Woche auch noch Justin Bean krank, wie die Sport Bild berichtet. Zwar bescheinigt Stefan Koch hier in seiner aktuellen Kolumne den Berlinern, dass sie in den letzten Wochen auch unter schwierigen Umständen stets Charakter und Mentalität gezeiget haben. Ohne Spielmacher würde das TOP FOUR für ALBA aber wohl zu einer unmöglichen Mission werden. Hier geht es zum Portrait der Berliner.

Status quo Oldenburg: Auch Oldenburg hat am Mittwoch ersatzgeschwächt (ohne die angeschlagenen Michale Kyser, Dakarai Tucker und Filip Stanic sowie den in Oldenburg gebliebenen James Woodard, dessen Frau ein Baby zur Welt gebracht hat) seine Generalprobe im Ulm verloren und setzt nun große Hoffnungen auf die heilenden Hände der Physios. Ohne die beiden erfahrenen Big Men Kyser und Stanic wäre Oldenburg am Pokalwochenende sicher arg gehandicapt. Gleichwohl blicken die EWE Baskets seit der Ablösung von Trainer Predrag Krunic durch den bisherigen Assistenten Lazar Spasic unter dem Strich ebenfalls auf erfolgreiche Wochen zurück. Der Heimsieg gegen Berlin markierte Anfang Januar den vierten Sieg in Folge. Mit vier weiteren Erfolgen aus den folgenden sechs Spielen (einzige Niederlagen in Heidelberg und am Mittwoch in Ulm) ließen die EWE Baskets nach dem Liga-Fehlstart und dem daraus resultierenden Trainerwechsel in der easyCredit BBL auf den elften Tabellenplatz (9:11 Siege) klettern. Hier geht es zum Portrait der Oldenburger.
Duell im Fokus, Teil 1: Die Spielmacher Jack Kayil und Chris Clemons kommen als die Topscorer ihrer Teams nach München (Kurzportraits der Topscorer der vier Halbfinalisten gibt es hier). Während Clemons für Oldenburg mit 18,9 Punkten und 4,4 Assists in gut 30 Minuten pro Spiel schon in der ganzen Saison relativ lange auf dem Parkett steht, spielt Kayil für Berlin im Schnitt nur knapp 22 Minuten für seine 13,0 Punkte und 3,8 Assists. In Abwesenheit des verletzten Martin Hermannsson (13,1 PPG) könnten sich seine Spielanteile am Pokalwochenende aber vergrößern. Der 20-Jährige hat für die kommende Saison einen Vorvertrag bei der Gonzaga University unterschrieben und könnte somit in die Fußstapfen von Chris Clemons treten, der 2019 im Trikot der Campbell University mit im Schnitt 30,1 Punkten NCAA-Topscorer war. Oder wird der talentierte Berliner womöglich schon im Sommer gedraftet und geht direkt in die NBA? Auch da hat ihm der acht Jahre ältere Clemons mit 35 Spielen für Houston in der Saison 2019/20 etwas voraus. Wie Clemons bei den EWE Baskets hat sich auch Kayil bei ALBA als der Spieler profiliert, bei dem der Ball in der Crunchtime am besten für den Big Shot aufgehoben ist. Beim BBL-Sieg gegen Berlin war es Clemons, der 0,7 Sekunden vor Schluss über Kayil hinweg seinen Dreier zum Oldenburger 76:73-Erfolg netzte (Video).

Duell im Fokus, Teil 2: Wir schauen außerdem noch auf die Dreierschützen auf der Vier. Tomislav Zubcic ist mit seinen 2,12 Metern der mit Abstand größte Oldenburger Spieler, lauert aber auffällig gerne an der Dreierlinie, wo er den Distanzwurf in der easyCredit BBL zu 38 Prozent trifft. Am vergangenen Wochenende schockte der 36-jährige Kroate die Ludwigsburger sogar mit sechs von sieben Dreiern für 25 Punkte zum 102:88-Sieg. Auch beim Oldenburger BBL-Sieg gegen Berlin am 4. Januar war Zubcic mit 15 Punkten und sechs Rebounds der Matchwinner. Sein Gegenstück auf Berliner Seite ist der US-Forward Moses Wood, der mit einer Quote von 41 Prozent in der BBL und in der Champions League der beste Distanzschütze der Albatrosse ist. Auch Justin Bean trifft im Berliner Trikot auf der Vier seine Dreier mit 39 Prozent recht sicher, während sich der zweite Oldenburger Power Forward Seth Hinrichs mit nur 33 Prozent aus der Distanz etwas zurückhält. Dass die Vierer in diesem Spiel so gefährlich aus der Distanz sind, könnte dazu führen, dass in der Zone unter dem Korb die Räume größer werden.
Der Weg ins Halbfinale: Die EWE Baskets Oldenburg qualifizierten sich in einer Saisonphase für das Pokal-Halbfinale, in der es für die Nordwestdeutschen in der easyCredit BBL noch unter Trainer Predrag Krunic überhaupt nicht rund lief. Umso höher ist einzuschätzen, dass die Mannschaft sich zwischen den vielen größtenteils niederschmetternden Punktspielniederlagen im Achtelfinale zu einem 61:60-Sieg über Würzburg (mit 19 Punkten von Nicholas Tischler) und im Viertelfinale zu einem 72:69-Sieg in Vechta (mit einem wilden Dreier von Chris Clemons eine Sekunde vor der Sirene) aufraffte. Für die schwach in die Bundesliga gestarteten Berliner war der 90:68-Sieg über Ulm (mit 21 Punkten von Boogie Ellis einen Tag vor dessen Abflug nach Dubai) im Achtelfinale ein echter Befreiungsschlag. Im Viertelfinale konnte auch Jena (damals noch mit Great Osobor, Tavian Dunn-Martin und Eric Washington) den Berlinern nichts mehr anhaben. Martin Hermannsson und Jack Kayil warfen ALBA mit je 18 Punkten gegen den Aufsteiger zum 91:78-Sieg und ins BMW TOP FOUR.

Zahlen, bitte: Hätte die BBL-Saison erst kurz vor Weihnachten begonnen (sprich: ohne die ersten zehn Spieltage), sähe die Tabelle folgendermaßen aus: 1. München (11:1-Siege), 2. Berlin (9-3) und 3. Oldenburg (8-2). Wir können somit ohne Übertreibung konstatieren, dass in diesem Pokalfinale die neben den Bayern heißesten deutschen Teams um den Einzug ins Finale kämpfen! Mehr Zahlen zum BMW TOP FOUR gibt es hier.
Die ewige Bilanz: Alle vier Halbfinalisten kennen sich aus diversen früheren Pokalduellen (hier eine generelle Übersicht zur Pokal-Historie). Oldenburg und Berlin trafen schon vor einem Vierteljahrhundert erstmals im Pokal aufeinander, als die Berliner 1998 den damaligen Zweitligisten Oldenburger TB in einer Vorrunde mit 105:60 ausschalteten. Auch der erste Oldenburger Auftritt bei einem TOP FOUR war 2002 in Berlin zum Vergessen. ALBA überrollte die Oldenburger auf dem Weg zu seinem dritten Pokaltitel im Halbfinale 105:65. Auf Augenhöhe begegneten sich beide Clubs hingegen 2020 in einem denkwürdigen Finale vor 14.600 Zuschauern in Berlin. 1.500 Oldenburger Fans begleiteten ihr Team in die Hauptstadt und machten das Pokalfinale zusammen mit den ALBA-Fans zu einer stimmungsvollen blau-gelben Party. ALBA wurde mit 20 Punkten von Martin Hermannsson zum 89:67-Sieg gerade noch rechtzeitig zum zehnten Mal Pokalsieger, denn drei Wochen später wurde der Spielbetrieb wegen Corona eingestellt.
Im Blick des Bundestfrainers: Alex Mumbru hat für die WM-Qualifikationsspiele gegen Kroatien am 27. Februar in Zagreb und am 29. Februar in Bonn 18 Spieler nominiert, darunter vier Berliner und den Oldenburger Nicholas Tischler. Jack Kayil als Spielmacher, Jonas Mattisseck auf der Zwei, Malte Delow und Tischler auf dem Flügel sowie Norris Agbakoko als Center ergeben dabei alleine schon eine stimmige und schlagkräftige Formation.
Alte Bekannte: Pedro Calles bekam 2022 in Oldenburg einen Dreijahresvertrag inklusive vieler Vorschusslorbeeren, aber richtig gut lief die Beziehung zwischen Headcoach und Donnervögeln eigentlich nur zu Beginn. Calles erreichte mit den EWE Baskets 2023 zwar das Pokalfinale, schied aber in den Playoffs in der ersten Runde trotz Heimrecht durch einen 0:3-Sweep gegen Ludwigsburg aus. In der zweiten Saison war in den Play-Ins gegen Hamburg Feierabend, und im November 2024 wurde er nach einer Bilanz von 3:3-Siegen und einem Pokal-Aus im Achtelfinale gegen Aufsteiger Frankfurt entlassen. Nun könnte er sich beim alten Arbeitgeber in einem Halbfinale revanchieren. In Oldenburg spielte damals übrigens neben Norris Agbakoko in der ersten Saison auch Bennet Hundt für ihn, der allerdings damals unter Calles nicht zum Zug kam und noch während der Saison nach Heidelberg wechselte. 2018 gewann Bennet Hundt zusammen mit Filip Stanic in Chemnitz Bronze bei der U20-EM. Stanic wurde sogar in die Allstar Five des Turniers gewählt. Sam Griesel und Brian Fobbs spielten 2023/24 zusammen in Bonn.
Wie es weiter geht: Der Sieger qualifiziert sich für das Finale am Sonntag (16 Uhr) und trifft dort im SAP Garden auf den Gewinner des ersten Halbfinals zwischen dem FC Bayern Basketball und den BMA365 Bamberg Baskets.
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Als gebürtiger Bremer träumte Norris Agbakoko lange von einer Fußball-Karriere bei Werder, bis er mit schon 17 Jahren doch noch den Weg zum Basketball und nach Oldenburg fand. Für den in Berlin geborenen Filip Stanic war der frühe Weg zum orangenen Leder und zu ALBA, wo er bis 2017 groß wurde, selbstverständlicher. In der vergangenen Saison waren Agbakoko und Stanic die effektivsten deutschen Center in der easyCredit BBL, und es war für die EWE Baskets nach Agbakokos Wechsel zu ALBA logisch, den unter dem Oldenburger Korb vakant gewordenen Spot durch den Ex-Berliner Filip Stanic zu ersetzen. So ergibt sich am Samstag für Agbakoko ein interessantes Duell mit seinem Nachfolger. Bei aller dadurch vielleicht noch gesteigerten Rivalität sind sich beide aber in einem einig: German Basketball is more sexy als Fußball!
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird Samstag ab 18.45 Uhr live hier bei Dyn übertragen, wobei das gesamte BMW TOP FOUR von Dyn mit insgesamt 17 eingesetzten Kameras am Spielfeld und Backstage so hautnah wie noch nie zuvor im deutschen Basketball als unvergessliches Live-Erlebnis in einzigartiger Qualität zu den Fans nach Hause auf den Bildschirm transportiert wird. Kommentator der Partie ist Michael Körner, es moderiert Anett Sattler. Als Experte ist Patrick Femerling am Mikro. Zusätzlich gibt es alle drei Pokal-Partien in Übertragungen vom Bayerischen Rundfunk (erstes Halbfinale und Finale) und vom RBB (zweites Halbfinale) live und free hier im Livestream bei Sportschau.de.