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David gegen Goliath 2.0: Neuauflage des Oldenburger Pokal-Märchens oder vierter Triumph für die Bayern?

Status quo: Der Pokal wird zum 57. Mal ausgespielt. Bayern München steht als Pokalsieger von 1968, 2018 und 2021 zum sechsten Mal im Pokalfinale. Oldenburg, das 2015 in der EWE Arena Pokalsieger wurde, steht nach dem 2020 verlorenen Finale zum dritten Mal im Pokalfinale. Dass die Oldenburger dabei wie vor acht Jahren den Heimvorteil haben, weckt natürlich Erinnerungen an das TOP FOUR 2015. Auch da gewannen die EWE Baskets am Samstag das „kleine Halbfinale“ (gegen Bonn), während sich die Favoriten Bamberg und Berlin im „großen Halbfinale“ um den zweiten Spot im Finale stritten. Am Sonntag holten sich die EWE Baskets dann unter dem Jubel der Oldenburger Fans als lachender Dritter den Pokal. Bayern-Trainer Andrea Trinchieri erinnert sich besser als jeder andere an dieses Finale vor acht Jahren, denn der Italiener trainierte damals die Bamberger.

Starke Auftritte im Halbfinale: Bei Oldenburg strahlte gegen Ludwigsburg zum einen DeWayne Russell; der Aufbau war die gesamte Partie über gefährlich und lieferte 26 Punkte, acht Assists und fünf Rebounds. Aber in der Crunchtime avancierte Flügelspieler Trey Drechsel zum Matchwinner, indem er drei Mal über die Grundlinie zum Korb ging und daraus inklusive zweier Bonusfreiwürfe acht Punkte erzielte. Als „Energizer“ stach Alen Pjanic nicht nur mit zwölf Punkten und sechs Rebounds, sondern auch mit drei Steals und drei Blocks heraus. Bis zu seinem fünften Foul in der 37. Minute ging er nur für zwei Minuten auf die Bank. Auch bei den Bayern taten sich gegen Berlin zwei Außenspieler hervor: Cassius Winston legte 21 Punkte auf und netzte dabei sieben seiner elf Feldwürfe. Nick Weiler-Babb lieferte mit 14 Zählern, drei Assists und je zwei Rebounds und Steals ein feines Rundum-Paket. Der dritte Münchener Dauerbrenner hieß Center Freddie Gillespie, der unter dem Korb über dreißig Minuten ackerte (sieben Punkte, elf Rebounds, drei Steals und zwei Blocks).

Duell im Fokus: Natürlich stehen auch im Finale die Point Guards im Fokus. DeWayne Russell und Cassius Winston wurden bereits hier beleuchtet. Beide waren wie erwartet tatsächlich im Halbfinale die Topscorer sowie besten Passgeber und somit die Anführer ihrer Teams. Vor dem Finale lohnt aber auch der Blick auf die Off-Guards Max Di Leo und Nick Weiler Babb. Beide sind in ihren Teams die besten Verteidiger im Backcourt und bekommen deshalb oft die Aufgabe, den Wirkungskreis des gegnerischen Point Guards einzuengen. Statt Russell vs. Winston dürfte es deshalb heißen Di Leo vs. Winston und Weiler-Babb vs. Russell.

Die überragenden "Einser" der Halbfinals: Cassius Winston und DeWayne Russell. (Foto: Sampics)

Zahlen, bitte: Oldenburg ist mit einer Freiwurfquote von 82,0 Prozent das nervenstärkste Team an der Linie. Die Münchener haben mit 79,4 Prozent nur die fünftbeste Freiwurfquote, könnten aber im Pokalfinale öfter an der Linie stehen als die Gastgeber. Die EWE Baskets begehen nämlich in der Liga die meisten Fouls in der easyCredit BBL (23,6 pro Spiel) und die Bayern die viertwenigsten (im Schnitt 20,3). Am Samstag im Pokal-Halbfinale bekamen Oldenburg (18:15 Fouls) und München (24:19) zum Ende hin Foulprobleme, was aber weder Ludwigsburg noch Berlin für sich nutzen konnten.

Duell in der BBL: Im Punktspiel des 12. Spieltags lagen die Oldenburger am 6. Dezember im Münchener Audi Dome zur Halbzeit bereits 22:55 hinten, kämpften sich aber nach dem Seitenwechsel noch bis auf 74:75 heran. In der Crunchtime unterliefen den von DeWayne Russell (11 Punkte und 12 Assists) und Trey Drechsel (16) angeführten EWE Baskets aber zu viele Fehler und Bayern rettete mit 23 Punkten von Cassius Winston und 16 von Andreas Obst seinen 81:77-Sieg ins Ziel.

Pokal-Historie: Der aktuell verletzte Kenny Ogbe ist der einzige Pokalsieger im Oldenburger Aufgebot (er gewann den Pokal 2020 mit Berlin). Auf Münchener Seite stehen mit Nick Weiler-Babb, DJ Seeley, Paul Zipser und Vladimir Lucic noch vier Pokalsieger von 2021 im Kader der Bayern. Lucic (auch 2018 schon mit München Pokalsieger), Niels Giffey (mit Berlin 2016 und 2020) und Elias Harris (2017 und 2019 mit Bamberg) können zum dritten Mal Pokalsieger werden. Auch Bayerns Headcoach Andrea Trinchieri (2017 mit Bamberg und 2021 mit München) und Assistenztrainer Demond Greene (2006 als Spieler mit Berlin und 2021 als Assistent) können zum dritten Mal Pokalsieger werden.

Die ewige Bilanz: Seit dem Münchener Aufstieg in die easyCredit BBL im Jahr 2011 gewannen die Bayern 17 von 29 Spielen gegen die EWE Baskets Oldenburg. Im Pokal gingen sich beide Clubs dabei bisher aus dem Weg und treffen in diesem Wettbewerb somit erstmals aufeinander – und das gleich im Finale!

Im Blick des Bundestrainers: Niels Giffey (94 Länderspiele), Andreas Obst (52) und Nick Weiler Babb (11) gewannen im vergangenen Sommer mit Deutschland EM-Bronze. Isaac Bonga (21), Niklas Wimberg (11) und Paul Zipser (43) stehen wie die Oldenburger Kenneth Ogbe (8) und Max Di Leo (4) ebenfalls im Notizbuch von Gordon Herbert. Elias Harris (36) spielte sein letztes Länderspiel 2014.

Niklas Wimberg ist gebürtiger Oldenburger und reifte bei den Donnervögeln bis ins Jahr 2017 zum Profi. (Foto: Ulf Duda)

Alte Bekannte: Oldenburgs Co-Trainer Bryce Taylor spielte in seiner aktiven Zeit von 2013 bis 2017 für die Bayern und wurde mit den Münchenern 2014 Deutscher Meister. Noch mehr im Fokus steht aber natürlich Niklas Wimberg. Der Oldenburger Junge im Bayern-Trikot wuchs bei den EWE Baskets auf und absolvierte von 2015 bis 2017 auch seine ersten 45 BBL-Spiele an der Seite von Rickey Paulding. Seinen Durchbruch bis hin zur Nominierung ins Nationateam schaffte er jedoch erst 2019/20 in der ProA mit Chemnitz. Am Samstag war nicht zu überhören, dass er in Oldenburg immer noch viele Anhänger hat. „Wir woll’n den Niklas sehen!“ skandierten die Fans der EWE Baskets während des zweiten Halbfinales. Durch den Ausfall  von Augustine Rubit dürften sich Wimbergs Chancen auf einen Einsatz im Finale erhöhen.  

Weise Worte: „Natürlich ist es ein kleiner Vorteil, nach dem Halbfinale zweieinhalb Stunden mehr zur Erholung zu haben. Aber ein Europaligist hat einen deutlich größeren Roster und könnte im Finale sogar ganz frische Spieler einbringen. Ich denke deshalb, dass es ein fairer Ausgleich ist, dass wir uns etwas länger ausruhen können.“ (Pedro Calles)

Der Blick auf den Akku: Zwei Spiele in zwei Tagen sind eine Herausforderung, vor allem, wenn man im Halbfinale wenig Pausen bekommen hat, wie Dewayne Russell bei Oldenburg, der satte 37:20 Minuten abreißen musste. Alen Pjanic stand 34:26 Minuten auf dem Parkett. Bei München dagegen kam lediglich Freddie Gillespie auf mehr als 30 Minuten.

Sonstiges: Für den Europaligisten München ist das Pokalfinale nach 24 Spielen in der Königsklasse und 20 in der BBL bereits das 48. Saisonspiel. Oldenburg, das in dieser Saison in keinem europäischen Wettbewerb aktiv ist, spielt am Sonntag nach 20 BBL-Spielen erst sein 24. Saisonspiel.

Am Rande der Bande: ... sitzen auf Oldenburger Seite der verletzte Kenny Ogbe und vermutlich erneut als siebter Import-Spieler MaCiao Teague. Bei den Münchener fällt neben Elias Harris nun auch Augustine Rubit aus, der sich im Halbfinale verletzt hat. Ognjen Jaramaz oder DJ Seeley könnten für den verletzten Power Forward in den Zwölferkader aufrücken

Fernsehen / Livestream: MAGENTA SPORT überträgt alle Spiele des TOP FOUR kostenlos. Die Übertragung des Finales beginnt um 14:30 Uhr. Es kommentiert Sebastian Ulrich. Anett Sattler führt die Interviews und Pascal Roller ist der Experte. Es gibt alle Partien der eaysCredit BBL in HD - live und on demand hier bei MAGENTA SPORT.

Aktuelle Wettquoten: EWE Baskets Oldenburg vs. FC Bayern München hier auf sportwetten.de.