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„Wir haben aus Niederlagen gelernt und sind bereit, es besser zu machen“ – Nationalspieler Danilo Barthel

– Interview: Robert Heusel

Danilo Barthel spielt beim Tabellenführer FC Bayern München und in der Nationalmannschaft eine tragende Rolle. Im BIG-Interview spricht der Forward über seine Ziele, die Belastung in dieser Saison und die Herausforderungen für junge deutsche Talente, sich durchzusetzen.

Herr Barthel, wann gab es die letzte Phase, in der Sie drei Wochen am Stück keinen Ball in der Hand hatten?

Vor zwei oder drei Jahren vielleicht. In diesem Sommer waren es beispielsweise nur sieben Tage, in denen ich im Urlaub war. Eventuell hätte ich den Ball auch den einen oder anderen Tag mehr zur Seite legen können, aber das fällt mir immer sehr schwer. Eine längere Zeit ohne Basketball geht für mich kaum. Wenn ich die Zeit habe, wie zum Beispiel in meiner kurzen Offseason im Sommer hier in München, bin ich auch jeden Tag vormittags in der Halle. Schließlich möchte man sich immer verbessern und sein Spiel weiterentwickeln. Auf der anderen Seite merke ich manchmal schon, dass der Körper langsam müde wird. Da machen sich der lange Sommer und die vielen Spiele um den Jahreswechsel herum durchaus bemerkbar. Wenn wir also jetzt in den seltenen Genuss eines freien Tages kommen, versuche ich, diesen auch zur Regeneration zu nutzen.

Sie spielen seit der Europameisterschaft im Sommer quasi durch. Ist die extrem hohe Anzahl an Spielen überhaupt zumutbar?

Na ja, die Situation ist einfach so, wie sie ist. Außerdem glaube ich, dass das Niveau im europäischen Vereinsbasketball mittlerweile so hoch ist, dass es fast egal ist, ob man trainiert oder ein Wettbewerbsspiel absolviert. Bei einem tiefen Kader, wie wir ihn hier beim FC Bayern haben, kann die Spielzeit natürlich gut aufgeteilt werden, sodass ich fast sagen würde: Ein Training ist anstrengender als ein Spiel. Aus dieser Sicht relativiert sich die Frage nach der hohen Anzahl an Spielen wieder. Nichtsdestotrotz könnte man hinterfragen, ob im EuroCup Sechsergruppen, bei denen dann vier Mannschaften weiterkommen, wirklich sinnvoll und nötig sind. Vor allem wenn es wie in dieser Saison quasi ohne Unterbrechung mit der Zwischenrunde weitergeht. Die EuroLeague ist allerdings noch tougher getaktet. Man stellt sich als Spieler darauf ein, und da es für mich nun bereits das vierte Jahr ist, in dem ich international spiele, ist es mit den ganzen Spielen schon in Ordnung.

Sie sagen, dass das Spielen an sich nicht das Problem ist. Sind es mehr die vielen Reisen, die einen schlauchen?

Auf jeden Fall. Ich denke, jeder weiß, dass man im eigenen Bett am besten schläft. Außerdem sind Flugreisen für uns überdurchschnittlich große Menschen von Natur aus unangenehm. Es kommt also vieles zusammen. Wenn wir zu Hause spielen, haben wir viel mehr Möglichkeiten, um zu regenerieren. Sauna, Kältebecken und andere regenerative Möglichkeiten stehen einem auswärts oft nicht zur Verfügung. Das macht sich vor allem bei den vermeintlich unangenehmeren Reisezielen bemerkbar.

Ich denke, Panevezys ist ein Beispiel für ein solches „unangenehmes“ Reiseziel.

Zum Beispiel, ja. Für die Reise nach Litauen haben wir uns dienstags, gegen 6.30 Uhr, am Audi Dome getroffen, um mit dem Bus zum Flughafen zu fahren. Dort steigt man dann in den Flieger nach Frankfurt, weil es von München aus keine passende Verbindung nach Litauen gibt. Nach gut zwei Stunden Aufenthalt in Frankfurt geht es dafür dann direkt nach Vilnius. Dort angekommen, mussten wir noch mal zweieinhalb Stunden in den Bus, um nach Panevezys zu kommen. Dann heißt es: Kurz ausruhen, rein in die Trainingsklamotten und ab zum Training. Tags darauf finden dann Shootaround und Spiel statt, bevor man sich donnerstags wieder auf die circa zwölfstündige Heimreise macht. Solche Reisen zehren schon an den Kräften.

Sie sind jetzt Leistungsträger in einem der beiden deutschen Spitzenteams. Ein Resultat der vielen Spielzeit in den früheren Jahren in Frankfurt?

Auf jeden Fall. Spielzeit ist für junge Spieler das Allerwichtigste. Aus meiner Sicht war es genau die richtige Entscheidung, nach Frankfurt, also zu einem etwas kleineren Team in der BBL zu gehen. Dies würde ich auch jedem jungen Spieler raten. Achtet zuerst auf eure Spielzeit! Natürlich müssen auch das Umfeld und das System stimmen, aber Spielzeit ist enorm wichtig. Wenn man sieht, wer damals in Frankfurt gespielt hat: Johannes Voigtmann, Konsti Klein oder ich waren nie die größten Talente in unseren Jahrgängen oder Leistungsträger in Jugendnationalmannschaften. Das Vertrauen und die Spielzeit haben uns zu den Spielern gemacht, die wir heute sind. Trainieren kann man viel, aber man muss gewisse Dinge einfach in Spielsituationen umsetzen und anwenden.

Junge Talente haben vor allem bei den Spitzenteams aus Bamberg und München kaum Aussicht auf Einsatzzeiten in der BBL.

Es ist in der Tat sehr schwierig für junge Spieler. Für jedes Spitzenteam zählt primär der Erfolg. Man darf aber nicht glauben, dass Youngstern in anderen Vereinen Spielzeit geschenkt wird. In Frankfurt hatte ich auf meiner Position beispielsweise zwei Amerikaner vor mir. Dennoch habe ich mich zum Starter entwickelt. Nichtsdestotrotz ist es richtig, dass es für Talente in Bamberg und München ungleich schwerer ist. Die Mannschaften haben einfach eine unglaubliche Qualität und Tiefe im Kader. Wenn wir in dieser Saison fünf gegen fünf trainieren, stehe selbst ich ab und an mal draußen. Als junger Spieler kann man sich also nur schwer präsentieren. Im Spiel ist die Situation noch extremer, weil der Trainer unglaubliche viele Möglichkeiten hat.

Kann das viel besagte Training mit den Profis Spielzeit ersetzen?

Eine sehr schwere Frage. Training mit gestandenen, älteren Profis ist wichtig, um sich an die Physis zu gewöhnen. Aber Spielzeit unter Wettkampfbedingungen ist im Allgemeinen kaum zu ersetzen.

Ihr Vertrag beim FC Bayern läuft im Sommer aus. Da stellt sich natürlich die Frage nach der Perspektive.

Konkrete Ziele setze ich mir eigentlich nicht. Ich möchte nur nicht auf meine Karriere zurückblicken und sehen, dass ich eine Möglichkeit vergeben habe, weil ich vielleicht nicht hart genug gearbeitet habe. Darum trainiere ich auch so viel. Ich möchte das Maximum aus mir herausholen. Der nächste Schritt ist für mich die EuroLeague. Wenn wir dies hier in München erreichen würden, wäre das natürlich super. Zum jetzigen Zeitpunkt muss man einfach abwarten, wie sich die Saison entwickelt und auf welchem Niveau ich dann spielen kann.

Würde Sie eine Station im Ausland reizen?

Auf jeden Fall. Das Ausland ist eine Option, die immer attraktiv ist. Für mich ist das Thema Deutschland oder Ausland aber eher zweitrangig. Es geht um die Situation, die Perspektive, die sich mir bietet. Dabei spielt auch das Geld nur eine untergeordnete Rolle. Ich habe in Frankfurt lange für verhältnismäßig wenig Geld gespielt. Woanders hätte ich wahrscheinlich deutlich mehr verdienen können, aber die Situation dort war einfach perfekt. Diese Herangehensweise möchte ich gern beibehalten, aber um mich und mein Spiel weiter zu verbessern, glaube ich, dass die EuroLeague der nächste Schritt für mich sein sollte.

Es heißt momentan also abwarten, wobei Ihr Marktwert als deutscher Spieler in der BBL nicht der schlechteste sein dürfte.

Ich versuche, nicht zu oft daran zu denken, aber natürlich hat man im Hinterkopf, dass der Vertrag im Sommer ausläuft. Nach den Wechseln von Maxi Kleber und Daniel Theis in die NBA gibt es in Deutschland nicht mehr viele Spieler auf meiner Position.

Sie sprechen Maxi Kleber und Daniel Theis an. Inwiefern spielt die NBA in Ihren Gedanken eine Rolle?

Natürlich denkt man darüber nach, ob man auch schaffen könnte, was den beiden gelungen ist. Vor allem wenn man daran zurückdenkt, wie man gegen die beiden gespielt bzw. trainiert hat und mehr oder minder auf demselben Level war. Von den Statistiken her hatten wir in der BBL ja alle sehr ähnliche Werte. Ich versuche, solche Gedankenspiele möglichst zu verdrängen und Schritt für Schritt meinen Weg zu gehen.

Aber Sie würden sich die NBA zutrauen?

Ja, ich denke schon. Ich bin der Meinung, dass ich das, was ich auf dem Court machen kann, auf jedem Niveau liefern kann. Der Markt ist in den letzten Jahren ja auch viel offener geworden. NBA-Teams schauen vermehrt nach Europa und viele Europäer gehen erst später in ihrer Karriere in die NBA.

2014 hatten Sie in der Summer League bereits Kontakt mit der NBA.

Das Geschäft in den USA ist ein ganz anderes als das hier in Europa. Und ich meine, es war ja „nur“ die Summer League. Ich bin dort angekommen und habe gleich ein Einzelzimmer in einem Fünf-Sterne-Hotel bekommen. Bei jedem Training stehen dann zehn Coaches in der Halle. Das war schon krass. Das Schönste, was ich dort erlebt habe, war in Las Vegas. Ich hatte Jetlag, konnte nicht richtig schlafen und ging dann frühmorgens in den Kraftraum. Auf einmal kam Doc Rivers rein und fragte mich, was ich denn hier mache. Als ich dann sagte, dass ich aus Deutschland komme und Jetlag habe, sagte er nur: „Okay, finde ich richtig gut.“ Oder etwas später, in Orlando: Ich komme in die Halle, drehe mich um und auf einmal steht Shaq neben mir. Als junger Kerl sind das natürlich ganz besondere Eindrücke, die man dort sammelt. Vermutlich habe ich damals nur die Spitze des Eisbergs NBA gesehen, aber es war ein Event für mich, das ich definitiv nicht vergessen werde.

Sie haben mit Frankfurt den FIBA Europe Cup gewonnen, wissen also, wie man Titel gewinnt. Klappt es in dieser Spielzeit auch mit dem FC Bayern und einem Titel?

Wir haben die erste Saisonhälfte zumindest sehr gut angefangen. Dies liegt bestimmt auch daran, dass der Kern unserer Mannschaft zusammengeblieben ist. Dieses Niveau gilt es zu halten und uns gegen Ende der Saison noch weiterzuentwickeln. Der Teamspirit erinnert mich auch an das erfolgreiche Frankfurter Team, wobei man die Situationen der beiden Mannschaften sicher nicht zu 100 Prozent vergleichen kann. Die Stimmung bei uns im Team ist gut und ich glaube, mit ein Grund dafür, dass so viele Spieler aus der vergangenen Saison zurückgekommen sind, ist eine Art unfinished business. Wir hatten letztes Jahr mehrere Möglichkeiten, einen Titel zu gewinnen, haben aber alle Chancen verpasst. Ich denke, wir haben aus den Niederlagen gelernt und sind bereit, es in dieser Spielzeit besser zu machen.

Das komplette Interview mit Danilo Barthel gibt es in der neuen BIG, die ab sofort im Handel erhältlich ist! Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten! Außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

Danilo Barthel über einen Wechsel in die NBA

Danilo Barthel über einen Wechsel in die NBA

Ich bin der Meinung, dass ich das, was ich auf dem Court machen kann, auf jedem Niveau liefern kann.

Inhalt der Ausgabe:

Inside-Report BBL. Exklusive Studie über das Leben der Profis in Deutschland: Gehälter, Ausbildung, Absicherung, Verletzungen

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