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„Am Anfang vertraute mir der Coach nicht“ – Berlins Bogdan Radosavljevic im BIG-Interview

– Interview: Frank Weiss

Bogdan Radosavljevic kämpft auch in seiner zweiten Saison bei ALBA BERLIN um Spielzeit. Schon einige Male warfen ihn Verletzungen zurück, aber rechtzeitig zum easyCredit TOP FOUR in Ulm ist er wieder einsatzbereit. BIG sprach mit dem Center über sein neues Leben als Familienvater, seine Ziele als Profi und sein Verhältnis zu Headcoach Aito.

Passen Sie auf, Coach, fahren Sie nicht gegen mein Auto.“ Für einen lockeren Spruch ist Bogdan Radosavljevic immer zu haben. Auch gegenüber Trainerlegende Aito Garcia Reneses. Wir treffen den Center von ALBA nach einer Einheit im Trainingszentrum der Berliner. Die Parkplätze sind hier, an der Grenze zwischen Kreuzberg und Mitte, rar,  Spieler und Trainer stellen ihre Wagen auf dem schmalen Streifen rund um die Halle ab. Coach Aito war eingeparkt. Kurz zuvor hatte Radosavljevic seinem frisch geduschten Big-Man-Kollegen Dennis Clifford mit einem Blick auf dessen gewagt gemusterte Schuhe zugerufen: „Was, verdammt, ist das?“ Als Clifford erwidert: „Die gefallen dir, was?“, winkt er lachend ab: „Go home, go home.“

Radosavljevic galt immer als großes Center-Talent. Mit seiner Länge von 2,13 Metern hat er für seine Position Gardemaß. Offensiv hat er viele Moves, Spielverständnis und ein weiches Händchen, das ihm erlaubt, auch mal einen Wurf von jenseits der 6,75 Meter zu nehmen. Einladungen zur A1-Nationalmannschaft gab es auch schon. Doch auf den großen Durchbruch wartet Radosavljevic noch immer. Trainer Aito fordert mehr „Fokus“ von ihm und auch er selbst sieht sich nicht mehr als junger Spieler. Die besten Jahre als Center liegen allerdings noch vor ihm. Wir sprachen mit Bogdan Radosavljevic über seine Entwicklung und seine Situation.

Bogdan, deine Spielzeit hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht wirklich verändert. Du spielst in der BBL gut zehn Minuten im Schnitt. Wie siehst du deine Situation?

Das ist die Entscheidung des Trainers. Wenn ich auf dem Feld bin, versuche ich die Dinge umzusetzen, die er verlangt. Manchmal sind es zehn, manchmal 23 Minuten. Das ist unterschiedlich und hängt auch davon ab, wie Dennis (Clifford, d. Red.) drauf ist, der Starting Center ist. Jeder Spieler wünscht sich natürlich viele Minuten. Das entscheide aber nicht ich, sondern der Trainer.

Es liegt aber auch an dir als Spieler, dich mit entsprechenden Leistungen aufzudrängen.

Das ist klar. Ich meinte damit, ich kann mich ja nicht selbst einwechseln. Manchmal gibt es auch einen bestimmten Plan für das Spiel, und wenn du reinkommst und in drei Minuten 18 Punkte machst, der Trainer aber seinen Gameplan hat, wird er den durchziehen. Aber natürlich liegt es auch am Spieler, seiner Körpersprache und mit welcher Intensität er spielt. Wann ich jedoch zum Einsatz komme, entscheidet der Trainer. Ich versuche immer, Energie und Toughness von der Bank zu bringen, das ist meine Aufgabe.

Coach Aito sagte, du musst dich in der Defensive weiter verbessern. Siehst du das ähnlich?

Ja. Wir trainieren das täglich, denn der Trainer lässt eine sehr spezielle Verteidigung spielen. Wenn man das mal eine Woche nicht gemacht hat, ist man schnell draußen. Er schaut zentimetergenau, wer wo stehen muss und wie man rausgehen und wieder zurück muss und mit welchem Arm man welche Drehung machen muss. Das geht sehr ins Detail. Das ist eine sehr gute, aber keine einfache Verteidigung.

Offensiv hast du viele Skills, aber würdest du die Defensive auch als deine Schwäche bezeichnen?

Schon. Aber ich denke, dass sie nicht richtig schlecht ist. Man kann sich in allen Punkten immer verbessern – auch offensiv. Doch wie gesagt, wenn ich bei mir etwas sagen muss, ist es wohl die Verteidigung. Die ist im Basketball in meinen Augen auch wichtiger als die Offensive. Man muss scoren, darf aber hinten nicht zu viel hineinbekommen, sonst verliert man.

Ein zweiter Kritikpunkt ist, dass du im Spiel zu leicht den Fokus verlierst, auch weil du dich durch Dinge wie Schiedsrichterentscheidungen ablenken lässt.

Früher war das der Fall. Ich habe daran gearbeitet und mich in diesem Punkt verbessert. Ich kenne viele der Schiedsrichter ja seit Jahren. Da spreche ich auch mal ganz normal mit ihnen. Vielleicht wird das manchmal falsch interpretiert. Ich habe aber aufgehört, mich über Dinge zu beschweren. Früher war das bei mir viel schlimmer – das stimmt.

Woran musst du noch arbeiten, damit es besser wird?

An der Schnelligkeit. Unter dem Korb sowie vor und nach dem Pick’n’Roll. Die ersten zwei, drei Schritte müssen schnell sein. Daran arbeiten wir auch. Dazu an Hooks und dem Wurf, Dinge, an denen man immer arbeitet. Speziell geht es bei mir aber wie gesagt um Schnelligkeit und Defense.

Wie hilft Coach Aito dir dabei?

Viel. Er achtet sehr auf Details und redet sehr viel. Mir hat er einmal gesagt: Solange ich mit dir rede, ist alles gut. Wenn ich aufhöre, mit dir zu sprechen – dann ist es schlecht. Noch spricht er mit mir. (lacht) Er verbessert dich jedes Mal – auch wenn du einen Fehler im Training zwei- oder dreimal gemacht hast. Er wird dich wieder korrigieren. Das macht am Ende den Unterschied aus. Er hilft uns allen und bringt uns jeden Tag ein Stück weiter.

Hast du dir den Sprung von Tübingen zu ALBA leichter vorgestellt? In München hast du in jungen Jahren ja schon Erfahrung bei einem Top-Team gesammelt.

Es war auch in Tübingen nicht leicht. Im Gegenteil. Ich musste auch dort hart arbeiten und jeden Tag mit Sasa Nadjfeji alle möglichen Übungen machen. In München war ich, wie schon gesagt, noch sehr jung. Mir war klar, dass es bei ALBA anders wird als in Tübingen. Der Name ist größer – alles ist größer als in Tübingen. Zum Glück kannte ich Leute, die schon auf diesem Niveau gespielt haben. Mit denen habe ich viel geredet und ich konnte mich im Kopf darauf einstellen, dass es komplett anders wird. Und ich kannte es ja auch aus München. Von daher glaube ich nicht, dass es so eine große Umstellung war.

Was brauchst du, um gute Leistungen bringen zu können?

Das, was jeder Spieler braucht: ein bisschen Vertrauen und Minuten. Auch Freiraum, um Fehler machen zu können, ist sehr wichtig. Gut, ich bin jetzt kein junger Spieler mehr. Aber gerade für junge Spieler ist es wichtig, nach einem Fehler nicht gleich ausgewechselt zu werden. Sonst ist man schnell raus und braucht lange, um wieder in einen Rhythmus zu kommen. Wenn man aber den Freiraum hat, Fehler machen zu können, und dann auch verbessert wird – wie bei Aito – dann kann man sich nur verbessern.

Du hast das Gefühl, du bekommst bei ALBA das nötige Vertrauen?

Ja, immer mehr. Zu Saisonbeginn hat mir der Coach ganz direkt gesagt, dass er mir noch nicht so richtig vertraut. Ich soll daran arbeiten, das zu ändern, hat er weiter gesagt. Das hat sich geändert und jetzt ist das Ziel, zum Saisonende und vor den Playoffs noch einen Schritt nach vorn zu machen.

Warum hat dir der Trainer am Anfang der Saison nicht vertraut?

Es ging um die Defense. Darauf legt er sehr viel Wert und seine Verteidigung ist, wie gesagt, sehr speziell. Ich habe daran gearbeitet. Mit ihm, mit Assistent Israel. Und es wurde besser. Damit kam auch mehr Einsatzzeit. Jetzt schauen wir mal, wohin das führt. Hoffentlich geht es weiter nach oben.

Du hattest mit dieser Ansage keine Probleme?

Nein, ich habe das positiv gesehen. Ich bin ein direkter Mensch und er auch. Er sagte: Du kannst es noch nicht, du musst es lernen. Da habe ich gesagt: Vielen Dank, jetzt weiß ich, woran ich arbeiten muss und worum es geht. Es gibt Trainer, die lassen dich nicht spielen, sagen aber nicht, warum. Es gibt immer einen Grund. Daher habe ich das sehr gut aufgenommen.

Du bist Vater geworden. Was hat das verändert?

Alles. Na ja, zumindest viel. Ich schlafe weniger, ich bin gleichzeitig aber nicht mehr so genervt. Was eigentlich komisch ist, normalerweise ist das ja genau andersrum. Doch unser Sohn ist ein sehr ruhiges Baby. Aber es hat sich schon einiges verändert. Ich bin noch fokussierter auf den Basketball, aber auch auf die Familie. Wir haben ja auch geheiratet. Das heißt, wir sind jetzt eine Familie. Damit muss ich mit 24 umgehen können und für die Familie sorgen. Die Denkweise verändert sich schon. Es verändert sich aber alles zum Positiven. Es ist eine Herausforderung, die ich gern annehme und – denke ich – bisher auch meistere. Zusammen mit meiner Frau, die 70 Prozent der Arbeit macht, wenn es um das Baby geht. Ich helfe aber, wann immer ich kann.

Bei deinem Wechsel zu ALBA hast du gesagt, du willst dich weiterentwickeln. Würdest du sagen, das ist dir bisher gelungen?

Ja. Wenn man mich mit dem Bogdan von vor drei oder zwei Jahren vergleicht, habe ich mich in jeder Hinsicht weiterentwickelt. Das ist auch das Ziel für die kommenden Jahre, immer besser werden. Im Basketball habe ich mit Aito eine große Chance, da muss man zugreifen. Aber auch als Mensch habe ich mich weiterentwickelt. In Berlin sind die besten Voraussetzungen, um als Spieler wirklich besser zu werden. Das klappt bisher ganz gut. Nur haben mich die kleineren und mittleren Verletzungen etwas aufgehalten. Doch das stoppt mich nicht. Da muss schon etwas Größeres passieren.

Das komplette Interview mit Bogdan Radosavljevic gibt es in der neuen BIG, die ab sofort im Handel erhältlich ist! Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten! Außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

Radosavljevic mit dem Baby-Hook gegen Oldenburg.

Inhalt der Ausgabe:

Inside-Report BBL. Exklusive Studie über das Leben der Profis in Deutschland: Gehälter, Ausbildung, Absicherung, Verletzungen

easyCredit TOP FOUR. Die Duelle, die Chancen: ratiopharm ulm, FC Bayern München, ALBA BERLIN und medi bayreuth spielen um den ersten Titel der Saison

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